Mobile Fitness zwischen Sinn und Unsinn

Nachdem ich hier und hier über erste Erfahrungen mit dem Fitness-Tracker Polar Loop bericht habe, gehen mir jetzt ein paar grundsätzliche Gedanken dazu durch den Kopf. Bei dem m.E. vom Design her wirklich gelungenen Armband handelt es sich um ein Beispiel für Wearables, die immer beliebter werden. Das sind am Körper tragbare Geräte – Gadgets – zur Datenerfassung, also z.B. Armbänder, Uhren, Brillen oder an der Kleidung befestigte bzw. eingenähte Sensoren. Sie werden in der nahen Zukunft wohl eine große Zahl unserer körperlichen Funktionen erfassen können, d.h. neben den Schritten sicher auch den Puls und den Blutdruck. Das hat Vorteile doch auch Nachteile!

Vorteile

Ich erhalte persönliche Informationen über die Funktionen meines Körpers und über mein Verhalten. Aus den von mir im Laufe des Tages zurückgelegten Schritten, analysiert der Polar Loop z.B. wie lange ich den Tag im Liegen, Sitzen, Stehen, Gehen oder Laufen verbracht habe. Die zusammenfassende Information „Du hast den Großteil des Tages im Sitzen verbracht“ hat dazu geführt, dass ich jetzt mehr gehe. Soweit ok!

Der nächste Schritt wäre jetzt die Überwachung von Puls und Blutdruck. Meinen Puls kann ich bereits jetzt unter Zuhilfenahme der Kamera des iPhones messen. Dazu ist nur eine passende App erforderlich, z.B. die App Withings oder die App Heart Rate. Das mit dem Blutdruck klappt wohl z.Z. nur, wenn man ein weiteres spezielles Messgerät nutzt. Besonders Menschen, die in diesem Bereich gesundheitliche Probleme haben oder sich davor fürchten, werden derartige regelmäßig erfasste Daten sicher schätzen.

Hinzu kommt, dass viele dieser Apps mich auffordern, die gesammelten Informationen im sozialen Web zu teilen. Ich lasse z.B. bei meinen sportlichen Wanderungen immer die App Polar Beat mitlaufen, da ich so meine Trasse nachverfolgen kann. Wenn ich diese Aktivität dann auch bei Twitter und Facebook mit meinen Freunden teile, können alle sehen, wie fleißig ich bin. Halt! Will ich das wirklich?

Nachteile

Wenn ich mir die als Standard auf jedem iPhone vorhandene App Health ansehe, gibt es noch diverse weitere Möglichkeiten zum Erfassen und Sammeln von persönlichen Gesundheitsdaten. Das ist einerseits, wie die Beispiele zeigen positiv, macht mich andererseits aber nachdenklich. Denn, was passiert eigentlich mit den Daten?

Da ich für all diese Wearables ein Konto einrichten muss, um an die tollen Auswertungen und hilfreichen Tipps zu kommen, werden die Daten in der Regel wohl zentral und zu meinem Namen passend erfasst. Sie sind damit nicht nur mir und eventuell meinem Arzt zugänglich, sondern auch vielen Unbekannten, oder? Ich könnte mir schon Interessenten vorstellen, z.B. meine Krankenkasse, meine Versicherungen, meine Bank usw. usw.

Hier hört dann irgendwie der Spaß auf, denke ich! Mein erster Entschluß wäre, die prersönlichen Daten nicht (mehr) im sozialen Netz zu teilen. Und dann gilt es, in der Zukunft diese Gesundheits-Mess-und-Auswerte-Szene aufmerksam zu beobachten, denkt HoSi.

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3 Gedanken zu „Mobile Fitness zwischen Sinn und Unsinn

  1. tora65

    Das sind wirklich sehr interessante Überlegungen. Das Programm Polar Beat, lässt Du „nebenher“ mitlaufen, d.h. also auf dem Handy? Ist das dann irgendwie mit dem Polar Loop verbunden? Habe ja momentan keine Möglichkeit zum Testen, werde ich aber bestimmt tun. Hast Du einmal verglichen ob die Anzahl der Schritte beim Loop und bei Withings gleich sind? Die App Withings habe ich eben erst runtergeladen. Heart Rate scheint mir sinnvoll, Blutdruck zu kontrollieren ist immer gut.Aber wie das funktioneren soll ohne Blutdruckmessgerät, da bin ich wirklich gespannt. Das Testen treibt wahrscheinlich dann meinen Blutdruck gleich hoch ….;))

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    1. Horst Sievert Autor

      Polar Beat ist nicht mit dem Polar Loop verbunden, wird aber in den Ergebnissen von Polar Flow auf iPad/Desktop angezeigt. Damit wird eine Schwachstelle von Polar Loop ausgeglichen, der ja nur Schritte zählen kann.

      Mit Withings und Heart Rate kann man sehr einfach über die Kamera des iPhones (sicher auch des iPads?) den Puls aber nicht den Blutdruck messen.

      Die gezählten Schritte der Apps habe ich (noch) nicht verglichen. Das ist m.E. auch weniger wichtig, denn man wird sich sicher auf ein Geräte bzw. eine App festlegen. Und: Ich will mich nicht öffentlich mit anderen vergleichen!

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  2. Pingback: Polar Loop – 1 Jahr Alltag | tests

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