Applatus – Ersatz für Seniorenhandy?

Applatus Hauptmenü

Applatus Hauptmenü

Ich gehöre zu den Menschen, für die Smartphones und Tablets zum täglichen Alltag gehört. Mit den Jahren wächst aber mein Verständnis für diejenigen, die für „diese Dinger“ keine Verwendung haben, denn besonders für Einsteiger könnten sie schon etwas übersichtlicher sein. Da gibt es aber Lösungen in Hardware, wie Seniorentablets und -handys, und in Software, wie das Angebot von Applatus. Letzteres haben Uta Krope von Senioren-Lernen-Online und ich auf Tauglichkeit als Seniorenhandy getestet.

Die Idee der Macher: Man nehme ein ganz normales Handy und installiere ein Widget, also einen zusätzlichen Teil der grafischen Oberfläche. Dann bucht man für rund 1 € im Monat eine Server-Diestleistung, mit der man das Handy individuell nur mit dem Notwendigen versieht. Obiger Screenshot zeigt das Hauptmenü von Applatus. Dieses Menü ist der Ausgangspunkt für Telefon, Hilfe, Nachrichten und zeigt das aktuelle Datum an. Hat man die App Google Text in Sprache installiert, werden beim Antippen der viereckigen Symbole die Informationen auch als Sprache ausgegeben.

Telefon

Über das Symbol Telefon kommt man auf ein Untermenü, das man über die Server-Dienstleistung gestalten kann. Es lassen sich vier Bilder von Kontakten mit deren Rufnummern einrichten, so dass diese unkompliziert angerufen werden können.

  • Bebilderte Kontakte, die man einfach anrufen kann, sind eine gute Idee für Seniorenhandys.
  • Vier Kontakte sind natürlich etwas knapp, zumal der Platz auf den meisten Smartphones für sechs Kontakte reichen sollte.
  • Doch warum sollte man nicht über Wischen weitere Kontakte erreichen?
  • Leider erfolgte bei unserem Test-Nexus auch keine automatische Anwahl. Das mag gerätetypisch sein, ist aber doch etwas unglücklich. 

Hilfe

Das Untermenü für das Symbol Hilfe (Kegel mit Fragezeichen) zeigt der folgende Screenshot. Man kann über das Symbol SOS-Telefon eine vorher festgelegte Notrufnummer anrufen.

Über das Symbol Globus und Fragezeichen wird die Adresse des aktuellen Standorts offenbar aus der App Google Maps ermittelt und angezeigt bzw. vorgelesen, so dass der Nutzer gezielt Hilfe zu sich rufen kann.

Über das Symbol Haus wird der Weg an die vorher eingestellte Heimatadresse in der App Google Maps angezeigt. Nach dem Start der Navigation kann man sich auch per Sprache führen lassen.

Über das Symbol Kamera kann ein Foto aufgenommen und an eine voreingestellte Mail-Adresse versandt werden. Das kann z.B. ein Foto des aktuellen Standortes oder eines Hindernisses im Weg oder auch zur Bedienung eines technischen Gerätes sein.

Applatus Untermenü Hilfe

Applatus Hilfemenü

  • Diese Möglichkeiten zur Hilfe sind sehr interessant. Leider wird die Navigation nicht automatisch gestartet, denn den Startlink in Maps konnten wir auf unserem Handy nicht einfach finden.
  • Die GPS-Ortung hat sicher ihre Genauigkeitsgrenzen und dürfte in dichter Bebauung und innerhalb von Gebäuden schwierig oder unmöglich sein.
  • Ein weiteres Problem ist der im Applatus-Widget fehlende Zurück-Button. Wir haben uns mit dem Standard-Button aus Android beholfen, was keine glückliche Lösung ist.

Nachrichten

Über das Brief-Symbol  können Nutzer des Handys die als SMS auf dem Handy eingegangenen Nachrichten lesen und sich vorlesen lassen.

  • Leider ist dieser Nachrichtenaustausch nur eine Einbahnstraße, denn auf die Nachricht kann nicht aus dem Applatus-Widget geantwortet werden. 
  • Zum Antworten und Senden neuer Nachrichten muss auf die Standard-App für SMS/Nachrichten gewechselt werden.
  • Etwas verwirrend ist, dass die über das Cockpit – siehe unten – versandten Nachrichten dann in dieser Standard-App nicht erscheinen.

Uhrzeit

Die Uhrzeit und das Datum werden im Hauptmenü übersichtlich angezeigt. Tippt man auf das Symbol, werden Uhrzeit und Datum vorgelesen.

  • Dieser Vorlesemodus ist eine gute Hilfe für Menschen mit einer Sehbehinderung.
  • Etwas unklar ist uns, warum hier kein Zugriff auf einen Terminkalender möglich ist.

Cockpit

Das Cockpit erlaubt nach der Registrierung den Zugriff auf die Server-Dienstleistung. Über einen normalen Internetbrowser kann man die Einstellungen für das Applatus-Widget vornehmen. Nach der Registrierung und dem Verknüpfen mit einem Smartphone ist für 14 Tage ein kostenloser Zugang möglich. Danach ist ein kostenpflichtiger Freischaltcode erforderlich.

Über das Cockpit kann auf Wunsch und mit Einverständnis des Nutzers auch eine Ortung des Nutzerhandys vorgenommen werden.

  • Unsere Test zeigen, dass diese Ortung sehr genau ist. Wenn beim Helfer ein SOS-Telefonanruf eingeht, kann er den Standort orten und Hilfe veranlassen.
  • Die aus dem Cockpit versandten Nachrichten erscheinen im Applatus-Widget. Leider kann von dort, wie unter Nachrichten geschrieben, nicht reagiert werden.

Fazit

  • Applatus ist mit 1 € im Monat ein preiswertes Angebot, um ein Standardhandy für Menschen mit Einschränkungen zu nutzen. Es könnte auch für ältere Erwachsene bis ins hohe Lebensalter eine Hilfe zum Erhalten der Selbstständigkeit sein. Für diesen Personenkreis sollte aber ein ständig erreichbarer Ansprechpartner vorhanden sein.
  • Sehr gefallen hat uns auch, dass die Standardfunktionen des Handys erhalten bleiben und von geübteren Anwendern jederzeit genutzt werden können.
  • Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn in Haupt- oder Untermenü auch andere auf dem Handy installierte Apps eingebunden werden könnten, z.B. Skype, der DB-Navigator oder die Fotogalerie.
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Ein Gedanke zu „Applatus – Ersatz für Seniorenhandy?

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